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Demenz- was ist das?


Die Ursachen von Demenz

Demenz kommt aus dem Lateinischen und lässt sich aus den Wortteilen de (weg) und mens (Denkvermögen, Verstand) ableiten. Vereinfacht: Wer an Demenz leidet, hat Probleme mit seinem Verstand.
An Demenz erkrankte Menschen leiden unter Gedächtnisstörungen. Das bedeutet, ihr Gehirn hat (mit fortschreitender Krankheit zunehmende) Schwierigkeiten, Informationen aufzunehmen, zu speichern und abzurufen. Setzt man den Begriff Verstand gleich mit verstehen, so bedeutet es aber keineswegs, dass an Demenz erkrankte Menschen völlig „ohne Verstand“ oder gar in ihrem Bewusstsein beeinträchtigt sind. Ihre Gefühlswelt ist völlig intakt.
Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Meist entwickeln sich die Haupt-Symptome – Gedächtnis- und Verhaltensstörungen – langsam und allmählich und sind zunächst nur leicht, aber doch konstant vorhanden. An Demenz erkrankte Menschen können wichtige Aufgaben wie „sich etwas merken“, „sich räumlich orientieren“, „sprechen“ zunehmend nicht mehr ausüben und praktische Alltagstätigkeiten nicht mehr ohne Hilfe ausführen. Demenz ist eine Folgeerscheinung anderer Krankheiten, am häufigsten (in etwa 50 Prozent der Fälle) der Alzheimer-Krankheit.
Weitere Ursachen für Demenz sind Mischformen von Alzheimer-Krankheit und Durchblutungsstörungen (etwa 15 Prozent), Durchblutungsstörungen des Gehirns (etwa zehn Prozent), die Parkinson-Krankheit (etwa sechs Prozent) sowie Vitamin- und Hormonmangelzustände (weniger als zehn Prozent). So genannte Pseudodemenzen können auch hervorgerufen werden durch Austrocknung, Vergiftungen durch z. B. Schimmelpilze, Medikamente oder psychische Erkrankungen.


Erkennungszeichen Nr. 1: Gedächtnisstörungen

Die Angehörigen berichten bei der Aufnahme ihrer Mutter oder ihres Vaters in ein Heim vielleicht:

„Er ist etwas verwirrt.“
„Sie erkennt mich oft nicht mehr.“
„Er hat verlernt, mit Messer und Gabel zu essen.“
„Sie kann sich nicht mehr allein anziehen.“

Die häufigsten und auffälligsten Erkennungszeichen einer Demenz sind die Beeinträchtigung und der spätere Verlust des Kurz- und Langzeitgedächtnisses. Dabei sterben im Gehirn die Nervenzellen und ihre Verbindungen ab, die für das Gedächtnis und die Informationsverarbeitung verantwortlich sind. Durch diesen Nervenzellenverlust können die neuen Sinneseindrücke nicht richtig verarbeitet und mit dem Erlernten nicht richtig verknüpft werden. Die Folge: Dementiell erkrankte Menschen können einfachste alltägliche Aufgaben – sich waschen, sich anziehen, essen - nicht mehr ausführen und sind auf Hilfe von anderen angewiesen.

Zum Beispiel…
Dementiell erkrankte Menschen
- erinnern sich schon nach kurzer Zeit nicht mehr an Gesehenes oder Gehörtes.

- können sich kein Urteil bilden, keine Probleme lösen, keine Schlussfolgerungen ziehen.
- verwechseln Dinge und setzen Dinge miteinander in Beziehung, die gar nichts miteinander zu tun haben (ist das Suppe oder Mittwoch?).
- finden oft nicht die richtigen Worte oder verändern ihren Satzbau merkwürdig, dadurch werden ihre Sätze oft unverständlich.
- verlernen vertraute Bewegungsabläufe (wie ein Hemd zuknöpfen oder mit Messer und Gabel essen), obwohl sie motorisch gesund sind.
- vergessen die Bedeutung von ihnen eigentlich bekannten Gegenständen.
- vergessen ihren eigenen und andere Namen.
- haben eine gestörte Orientierung und ein gestörtes Zeitgefühl.
- erkennen vertraute Angehörige und Freunde nicht mehr.
- ermüden schnell.
- verarbeiten Informationen nur langsam oder gar nicht.
- können nur schwer oder gar nicht mehr rechnen und/oder schreiben.
- stehen manchmal auf der Straße, auf der sie wohnen, wissen nicht, wo sie sind und wie sie nach Hause kommen.
- können Sachverhalte nicht mehr angemessen beurteilen. So kann es passieren, dass sie beispielsweise im Sommer einen warmen Mantel tragen oder im Winter barfuss auf der Straße herumlaufen.
- legen oft Gegenstände an völlig unpassenden Stellen ab, die Zahnbürste im Kühlschrank oder den Kaffeelöffel im Badezimmer.


Erkennungszeichen Nr. 2: Verhaltensstörungen

Zuerst werden an Demenz erkrankte Menschen meist nur ein bisschen „schrullig“ oder "tüdelig" und wir lächeln mild über sie. Aber mit fortschreitender Demenz treten neben Gedächtnisstörungen meist auch Verhaltensstörungen auf. Die Erkrankten reagieren häufig sehr emotional, oft auch unkontrolliert und legen ein für uns „sonderbares“ Verhalten an den Tag.
Wenn ein an Demenz erkrankter Mensch sich aggressiv gegen Sie richtet, denken Sie immer daran: Es stecken keine bösen Absichten dahinter, sondern es gehört zu den Folgen ihrer Gehirnerkrankung. Charakteristische Verhaltensstörungen einer Demenz sind, individuell ausgeprägt, je nach Persönlichkeit, Temperament und Naturell der Patienten,
    Angst, Unruhe, Ruhelosigkeit und zielloses Umherwandern.

    Schlafstörungen und nächtliches Herumlaufen.
    Aggression und Wut, Überreaktion und Panik, Wahn und Halluzination.
    Depression, Rückzug, Apathie, Niedergeschlagenheit und Stimmungsschwankungen.
    Misstrauen, Anklammern, Nach- und Weglaufen.


Die Stadien der Demenz

Viele vergleichen den Verlauf der Demenzerkrankung mit der Zurückentwicklung vom Erwachsenen zum Säugling. Am Ende einer Demenz bleiben nur angeborene Reflexe, Instinkte und Gefühle übrig. Das hört sich zunächst traurig an, ist aber gleichzeitig auch der Grund dafür, dass an Demenz erkrankte Menschen nicht unbedingt unglücklich sind. Das trifft eher auf die Angehörigen oder die Pflegekräfte zu.

Die Demenz verläuft meistens in drei Stadien:

Im frühen Stadium (Vergessensstadium mit leichter Demenz) sind die Menschen in ihren Tätigkeiten und sozialen Aktivitäten beeinträchtigt, können aber meist noch unabhängig leben. Ihr Urteilsvermögen ist noch intakt, sie verfügen in der Regel über eine ausreichende Krankheitseinsicht und über eine breite Palette an Fähigkeiten, um diese bei Aufforderung selbst noch zu aktivieren.

Im mittleren Stadium (Verwirrtheitsstadium mit mittelgradiger Demenz) ist die selbstständige Lebensführung nur noch mit Schwierigkeiten möglich. Die Menschen brauchen ein gewisses Maß an Aufsicht und benötigen zunehmend Hilfe, um ganz alltägliche Dinge durchzuführen. Jemand muss sie bei den so genannten Basisaktivitäten (Essen, Trinken, Anziehen, zur Toilette gehen) unterstützen. In diesem Stadium konzentriert sich die Pflege darauf, diese einfachen Fähigkeiten durch ständiges Aktivieren und Wiederholen zu erhalten oder aufzubauen. Besonders die genannten Verhaltensstörungen treten in diesem Stadium gehäuft auf.

Im späten Stadium (Hilflosigkeitsstadium mit schwerer Demenz) und dem Fortschreiten der Erkrankung sind die Aktivitäten des täglichen Lebens der an Demenz erkrankten Menschen so stark beeinträchtigt, dass eine ständige und kontinuierliche Aufsicht benötigt wird. Zusätzlich zu den Basisaktivitäten verschwinden nun auch mehr und mehr die verbalen Aktivitäten (das Sprechen). Oft befinden sich die Menschen dann in einem in sich zurückgezogenen Zustand, der Außenstehenden als „Dämmerzustand“ erscheint.


Was kann die Ärztin/der Arzt tun?

Ist es wirklich Demenz? Oder handelt es sich nur um eine normale, altersbedingte Vergesslichkeit? Es ist wichtig, eine Demenzerkrankung rechtzeitig zu erkennen, damit durch die richtige Behandlung die Selbstständigkeit des an Demenz erkrankten Menschen so lange wie möglich erhalten werden kann. Die Ärztin oder der Arzt werden zunächst einmal prüfen, ob es sich tatsächlich um eine krankhafte Störung des Gehirns (beispielsweise eine Demenz) handelt oder ob ein normaler altersbedingter Leistungsabfall vorliegt.
Anhand von Gedächtnis- und Orientierungstests kann der Schweregrad der Krankheit festgestellt werden. Zu einer eindeutigen Diagnosestellung können mit Hilfe einer Computertomographie oder ähnlicher Verfahren Bilder vom Gehirn aufgenommen werden, auf denen der mögliche Verlust des Gehirngewebes sichtbar wird. Neue, spezifisch wirkende Medikamente verzögern das Fortschreiten dieser noch immer unheilbaren Krankheit und mildern extreme Stimmungsschwankungen. Darüber hinaus wird versucht, die an Demenz erkrankten Menschen geistig und körperlich zu aktivieren und anzuregen.
Es ist nachgewiesen, dass Symptome wie Angst oder Unruhe durch eine Aktivierung der Betroffenen positiv beeinflusst werden können.


Was können Angehörige tun?

Angehörige sollten lernen, die Erkrankung zu akzeptieren und mit ihr umzugehen. Das ist oft sehr schwierig. Machen Sie sich klar: an Demenz erkrankte Menschen sind nicht trotzig oder böswillig. Sie verlieren zunehmend die Kontrolle über ihr Denken und Handeln, zumindest teilweise.
Wenn Sie als Angehörige - Ehepartnerin, Ehepartner, Sohn oder Tochter - den an Demenz erkrankten Menschen zu Hause pflegen, ist es wichtig, dass Sie für Beständigkeit und Routine im Tagesablauf des Kranken sorgen. Eine Beschriftung von Gegenständen kann dem Gedächtnis Ihres erkrankten Angehörigen helfen, sich zu erinnern. Wichtig ist aber auch: Holen Sie sich Hilfe und Unterstützung, wenn Sie sie brauchen. Informieren Sie sich über Hilfen für pflegende Angehörige! Prägen Sie sich ein: Sie sind nicht schuld an der Krankheit Ihrer Partnerin, Ihres Partners, ihres Vaters oder ihrer Mutter! Sie sind nicht allein!


Was kann jeder tun?

Heute leben viele Menschen allein. Dadurch wird die Nachbarschaftshilfe immer wichtiger. Seien Sie aufmerksam und wachsam, wenn Ihnen ein älterer Mensch auf der Straße begegnet. Vielleicht ist es nicht nur die oder der “schrullige Alte”, sondern ein Mensch auf der Suche nach Orientierung, der Hilfe braucht. Die Krankheit hat nichts mit persönlichem Versagen zu tun. Durch Ihre Unterstützung und Anteilnahme können Menschen wieder näher zusammenrücken.
Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung des Landes Rheinland-Pfalz hat in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern eine landesweite Öffentlichkeits-Kampagne ins Leben gerufen. Unser Ziel: Wir wollen zu einem besseren Verständnis und zum richtigen Umgang mit der Demenzerkrankung beitragen. Auf vielen Veranstaltungen können Sie sich über die Hintergründe und den Verlauf der Krankheit sowie über Entlastungsmöglichkeiten und -angebote informieren.

(Quelle: Landezentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz e.V.)